Kneel & Pray / Live In Montreux 1969 (Sonic Zoom)
Live in der Schweiz, Montreux - Casino, 04.10.1969
CD1
Kneel & Pray
Hush
Child in time
Wring that neck
-
CD2
Paint it black
Mandrake root
Kentucky woman
"Kneel & pray", die Frühform des späteren "Speed King" ist Titelgeber und Einstieg in diese neuerliche "Sonic Zoom" Veröffentlichung.
Die nächste Lücke in der eigentlich schon recht umfangreichen Live-Discografie von Deep Purple wird geschlossen.
Komplette Konzertmitschnitte aus der frühen Mark 2-Phase (1969) sind extrem rar und stellen selbst für den Sammler eine außergewöhnliche Errungenschaft dar.
Gut ein Vierteljahr nach dem Einstieg von Ian Gillan und Roger Glover geht die Band unbeirrt ihren Weg. Von einem zaghaften musikalischen Wandel kann keine Rede sein. Die Herren Blackmore, Lord, Paice, Gillan und Glover haben die poppig, kommerziellen Einflüsse der ersten Aufnahmen über Bord geworfen und widmen sich nun ausschließlich dem harten Rock. In den ausgiebigen Improvisationen sind die später zum Markenzeichen werdenden Strukturen immer wieder anzutreffen. Noch agiert man insgesamt etwas "kontrollierter" (nur "Mandrake root" scheint gelegentlich "abzuheben") und ohne die Urgewalt späterer Tage, doch die Post geht auch so ab. Beim neuen Songmaterial ist "Kneel & pray" ein gutes Stück vom späteren "In Rock"-Kracher entfernt, "Child in time" hingegen der späteren LP-Version schon erstaunlich nahe. Persönlich beeindrucken mich "Wring that neck" (bereits auf der kürzlich erschienen 6-CD-Box "Listen, Learn, Read On" vertreten) und das Ian Paice Solo zu "Paint it black" am meisten. Den absoluten "Raritäten-Höhepunkt" stellt dann allerdings die Zugabe dar: "Gillan sings Diamond"! Die bis heute einzig bekannte Live-Aufnahme von "Kentucky woman" in der Mark 2-Besetzung, legendär! Leider treten an dieser Stelle, wie auch schon zu Anfang der Aufnahme, die klanglichen Schwächen zutage, vorallem der Gesang ist übersteuert. Der sehr gute Gesamteindruck wird dadurch nur gering beeinträchtigt.
Wie schon bei den vorangegangenen Veröffentlichungen der "Sonic Zoom Serie" kann der Sound positiv überraschen, zumindest den Fan mit Bootleg-Erfahrung. Es ist immer erfreulich, wenn die Wiedergabe einer derartigen Aufnahme nicht auf den Kopfhörer beschränkt ist. Soll heißen, auch über die Boxen der Stereoanlage (o.ä.) gibt die Doppel-CD eine gute Figur ab.
Bliebe noch zu erwähnen, daß es hier tatsächlich gelungen ist, eine Mischpultaufnahme über 30 Jahre den Bootleggern dieser Welt vorzuenthalten!