Inglewood
Live in den USA, Los Angeles - Inglewood Forum, 18.10.1968
Hush
Kentucky woman
Mandrake root
Help
Wring that neck
River Deep, mountain high
Hey joe
Auch anno 2002 zählen Liveaufnahmen von Deep Purple`s Erstbesetzung noch zu den absoluten Raritäten. "Inglewood" nimmt somit (vorerst) eine ganz besondere Stellung in der Discografie ein, sie ist nämlich die erste, mehr oder weniger, offizielle Veröffentlichung aus dieser Zeit! Nachdem der Mitschnitt in der Vergangenheit schon auf diversen Bootlegs die Runde machte, zeigt sich nun "Purple Records", mit seinem Vertrieb "Sonic Zoom", verantwortlich für die Versorgung der Fans.
1968 stehen Deep Purple noch am Anfang der Karriere, was durch verschiedenste Merkmale deutlich wird. Man ist "nur" Vorgruppe für die damalige Megatruppe Cream, welche sich auf Abschiedstour befindet. Das Set besteht, bis auf 2 Ausnahmen, aus leicht verdaulichen Coverversionen und die verfügbare Spielzeit ist deutlich eingeschränkt. Nach gut 50 Minuten heißt es, Feierabend.
Die neueste LP, "Book of Taliesyn", muß gerade in den Startlöchern stehen. Zumindest kündigt Rod Evans "Kentucky woman" als taufrische Single an. Das Kurzkonzert, vor immerhin 16.000 Zuschauern(!!!), hat noch nicht die Aggressivität späterer Tage, doch bei den Eigenkompositionen sind schon erste Improvisationsansätze von Jon und Ritchie zu bemerken. Beschränkt sich der Gitarrist bei "Mandrake Root" noch auf brummende und dröhnende Klänge (auch bedingt durch Soundprobleme), so geht er bei "Wring that neck", nach lobender Ankündigung durch den Kollegen Lord (?, lt. Booklet war Evans für die Ansagen verantwortlich) , zu wesentlich filigranerer Arbeit über. Ansonsten fällt mir erneut auf, daß die Stimme von Sänger Rod Evans durchaus der seines Nachfolgers ähnelt. So wird nochmals deutlich, daß Manches schon kurze Zeit später, nach dem Wechsel zu Ian Gillan, ein Vielfaches an Power hinzugewinnt.
Schade, leider ist die erste offizielle Scheibe nur von eingeschränkter Aufnahmequalität und (bisher) ausschließlich "online" über die Seiten der "DPAS" bzw. über "Purple Records/Sonic Zoom" zu beziehen. Wie dem auch sei, mit "Inglewood" wird endlich eine Lücke in der Geschichte dieser außergewöhnlichen Live-Band geschlossen. Die Mark I-Besetzung wurde diesbezüglich lange genug stiefmütterlich behandelt.
Die Klangqualitäten sind zwar nichts für Liebhaber des gepflegten HiFi-Sounds, doch auf der anderen Seite ist es sehr erstaunlich, was aus dem von einer Sony Videokamera stammenden Ton herausgeholt wurde. Soll heißen: Unter Bootleg-Maßstäben gibt es ein "sehr gut"!